Ab dem 1. November werden auf einem Chip im Reisepass die Fingerabdrücke des Inhabers gespeichert. Damit soll die Sicherheit erhöht und Mißbrauch des Dokuments verhindert werden. Was auf den ersten Blick nur wie die logische Erweiterung des Passfotos aussieht, führt in der Praxis zu einer weiteren Aushöhlung von Datenschutz und Privatsphäre.
Angeblich werden die Fingerabdrücke nicht in einer zentralen Datei, sondern nur auf dem Chip im Pass gespeichert. Gut, mag sein, dass es da keine große Datenbank mit allen Fingerabdrücken gibt, irgendwo werden die Dinger aber sicher noch Spuren hinterlassen. Abgegeben werden die Fingerabdrücke ja im Passamt und ich nehme an, dass sie dann elektronisch an die Bundesdruckerei übermittelt werden. Da dort die Pässe sicher nicht in Realtime produziert werden, müssen die Fingerabdrücke auf jeden Fall zwischengespeichert werden. Das gleiche gilt sicher nochmal für das Passamt, denn dort werden sie ja auch erst einmal lokal irgendwo abgespeichert. Und von diesen Datenbanken werden bestimmt auch Sicherheitskopien gezogen. Ein weiteres Problem sehe ich an den Stellen, wo die Daten aus dem Chip ausgelesen werden, also beispielsweise bei den Passkontrollen am Flughafen. Wahrscheinlich steht im Reissepassgesetz zwar wie die Daten bei der Erstellung des Passes gehandhabt werden, aber nicht wie die Daten bei den Kontrollen gespeichert werden. Auch dort wäre es möglich die Fingerabdrücke großflächig wieder einzusammeln.
Nächste Gefahr ist das unberechtigte Auslesen des Chips. Das geht sicher kontaktlos aus der Ferne. Natürlich wird man die Daten verschlüsselt haben, aber seit Telefonkarten, Premiere und SIM Lock Handys weiss jedes Kind, dass zumindest die erste Implementierung solcher Techniken nicht wirklich sicher ist. In der Süddeutschen Zeitung war neulich zu lesen, dass sogar Jörg Ziercke, Chef des Bundeskriminalamtes, seinen Reisepass in Alufolie einwickelt, um ein unberechtigtes Auslesen zu verhindern.
Das größte Problem überhaupt ist einfach die Gefahr der Salamitaktik. Heute gewöhnt man uns daran, seine Fingerabdrücke abzugeben und morgen werden sie eben zentral gespeichert. Das ist ja dann nur ein kleiner Schritt. Sind die Daten erst einmal erhoben, kann mir keiner erzählen, dass sie im Zweifelsfall auch genutzt werden.
Wer die nächsten 10 Jahre ohne Fingerabdruck im Reisepass unterweg sein will, sollte also noch vor dem 1.11.2007 einen neuen beantragen.
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