David E. Kelly ist der wohl erfolgreichste Drehbuchautor und Produzent amerikanischer Serien mit “juristischem Einschlag”. Er zeichnet sich unter anderem für L. A. Law, Picket Fences, Chicago Hope, The Practice, Ally McBeal, Boston Public und Boston Legal veranwortlich. Als die überaus erfolgreiche Anwaltsserie “The Pratice” in der siebten Staffel ihres Bestehens in der Zuschauergunst einbrach, feuerte Kelly die Hälfte der Stammbesatzung und zog James Spader als neuen Anwalt “Alan Shore” hinzu, der nicht nur die Serie in der achten Staffel in Würde zu Ende führte, sondern gleichzeitig den Grundstein für die auf Spader zugeschnittene Serie Boston Legal legte, die auch heute noch äußert erfolgreich ist.
James Spader wurde 2004, 2005 und 2007 jeweils mit dem Emmy Award für seine Darstellung des Charakters Alan Shore ausgezeichnet. Kein Wunder, denn Alan Shore verkörpert das Leitbild eines Anwalts. Er ist leiderschaftlich, sarkastisch, rebellisch, auf eine angenehme Weise selbstverliebt und verfügt über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn mit leichtem Hang zum “Robin-Hood-Syndrom”. Da er dazu auch noch über hervorragende rhetorische Fähigkeiten und grenzenlosen Einfallsreichtum verfügt, ist er der Anwalt, den man, wenn es ihn denn nur wirklich geben würde, an seiner Seite haben möchte.
Alan Shore wurde 1962 in Dedham, Massachusetts (USA) geboren und wurde insbesondere als Anwalt für Kartellrecht sehr erfolgreich. Während er keinerlei Aversionen gegen Geldverdienen hegt, stieß er im dreckigen Geschäft der großen Industrie schnell auf einen Interessenskonflikt, als ein Unschuldiger drohte unter die Räder zu kommen, weshalb er von den Reichen stahl und dem Armen gab, nur um anschließend wegen Unterschlagung gefeuert zu werden. Seine Bekannte, die hoch angesehene Strafrechtsanwältin Elenor Frutt, nimmt ihn daraufhin in ihre Kanzlei “Young, Frutt & Berluti” auf. Hier stößt er bereits nach kurzem Wirken auf die massive Kritik seiner Vorgesetzten, die seine angeblich “unethischen” und mit der Berufsordnung der Anwalt nicht im Einklang stehenden Handlungsweisen aufs Schärfste kritisieren, auch wenn sie den finanziellen Erfolg, wie auch das meist moralisch vertretbare Ziel akzeptieren. Am Ende wird Shore gefeuert, erreicht aber in einem gerichtlichen Showdown unter Zuhilfenahme der Kanzlei “Crane, Pool & Schmidt” die Feststellung der Unwirksamkeit seiner Kündigung, wie auch eine Verurteilung seines Arbeitgebers zu Schadensersatz in Höhe von 2,3 Millionen Dollar, was das Ende der Kanzlei “Young, Frutt & Berluti” besiegelt hätte. Alan Shore verzichtet jedoch gönnerisch auf seinen Anspruch – es ging ihm natürlich nur ums Prinzip – und wechselt zur Kanzlei “Crane, Pool & Schmidt”, wo er den unter Alzheimer leidenden Anwalt Danny Crane als besten Freund gewinnt, dessen diametral unterschiedliches politisches Weltbild für Shore eher Anreiz, als Widerstand ist.
Alan Shore stellt eine wunderbare Mischung aus linkem Weltverbesserungswillen und rechter Härte gegen alles Böse dar, aus Mitgefühl und begründeter Arroganz, aus Achtung vor der Würde des Andersdenkenden und einer unbegrenzten Abscheu vor falscher politischer Korrektheit. Sein Hang, Widerstand bis zur Grenze der Selbstaufgabe zu leisten, machen ihn genauso bewundernswert, wie sein stabiles Wertesystem.
Ein Traum von einem Anwaltsplädoyer: “Die schwarze Witwe”, Boston Legal, Staffel 2, Episode 1
Prima Artikel! Er umreißt in wenigen Worten sehr treffend den doch recht komplexen Charakter des Alan Shore.
Netter Post, aber die Kanzleien heißen ‘Crane, Poole & Schmidt’ und ‘Young, Frutt & Berluti’
Aber ansonsten nen toller Post!!!
LG MrsShore