Springer-Tochter PIN beleidigt über Sklavenverbot im Postbereich

SlaveryDie große Koalition aus SPD und CDU/CSU hat sich auf einen Mindestlohn im Postbereich geeinigt, nachdem es seit Jahren Beschwerden über die Ausbeutung von Arbeitnehmern in diesem Bereich gegeben hat. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di verdienten beispielsweise ein Mitarbeiter der PIN AG in Berlin, einer Tochter des Axel Springer Konzerns, ungefähr 985 Euro Grundgehalt – bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 h pro Woche. Inklusive Zuschlägen kämen die Mitarbeiter auf ein Gehalt von 1379 Euro. Nach den Plänen der Regierungskoalition sollen Postmitarbeiter 9,80 Euro Stundenlohn erhalten und damit bei einer 38,5-Stunden-Woche immerhin 1633,70 Euro brutto verdienen. Für die PIN AG Grund genug, über 1000 Mitarbeiter zu kündigen und mit der Geschäftsaufgabe zu drohen.

Nach einem Gutachten, dass die Gewerkschaft ver.di in Auftrag gegeben hat, verdienen Arbeitnehmer im privaten Postmarkt 31% weniger als die offizielle Niedriglohnschwelle. “Die durchschnittlichen Löhne in diesem Sektor sind als nicht existenzsichernd einzustufen, da sie für Westdeutschland (1.169 Euro pro Monat) um 11% und für Ostdeutschland (985 Euro pro Monat) um fast 17% geringer ausfallen als ein Arbeitseinkommen, mit dem sich der Mindestbedarf nach den Bestimmungen des Sozialgesetzbuches II decken lässt”. Mit einem Minijob-Anteil von fast zwei Dritteln und einer weiten Verbreitung befristeter Arbeitsverträge können die Arbeitnehmer auch nicht langfristig Ihre Zukunft planen.

Natürlich ist jedem klar, wer die Studie in Auftrag gegeben hat und welches Ergebnis man auch von der Studie erwartet hat. Es kommt aber letztlich auf die absoluten Zahlen nicht an. Fakt ist, dass die privaten Postzusteller durch Niedrigstlöhne der Deutschen Post AG Konkurrenz machen, was die Arbeitnehmer durch miserable Arbeitsbedingungen bezahlen müssen. Es war richtig, Mindeststandards festzuschreiben, nicht nur aus sozialen Gesichtspunkten: Viele der Arbeitnehmer, die im privaten Postdienst beschäftigt sind, erhalten zusätzliche Arbeits- und Sozialhilfeleistungen, weil ihr Gehalt nicht zum Leben reicht. Die Allgemeinheit hat demnach einen Teil der Löhne bezahlt.

Die Ankündigung der PIN AG, nun über 1000 Mitarbeiter zu entlassen und ggf. sogar den gesamten Geschäftsbereich aufzulösen, offenbart nur deren wahre Fratze. Die Springer-Presse, allen voran die Berliner Zeitung, das Hamburger Abendblatt, die Welt und vor allem die Bild-Zeitung, überziehen das Land seit Monaten mit angeblichen “Experten”, wonach Mindestlöhne Arbeitsplätze kosten. Dass die Mehrheit der PIN dem Springer-Konzern gehört, wird dabei gern zu berichten “vergessen”. Letztlich steckt hinter der Ankündigung wahrscheinlich nur der Versuch, die so und so defizitäre PIN AG abzustoßen und dabei gleich noch den Sozialdemokraten, die das Thema Mindestlohn wie eine heilige Kuh verehren, in die Quere zu kommen. Springer versucht einfach mal wieder politisch Einfluß zu nehmen.Firmen, die solche Arbeitsplätze bieten, wird niemand nachtrauern.

Share/Save/Bookmark

3 Kommentare zu “Springer-Tochter PIN beleidigt über Sklavenverbot im Postbereich”


  1. 1 Gilly

    Das war aber Sonnenklar, schließlich kam die Idee ja mehr von der Post als von den Gewerkschaften. Sieht man sich die Bilanz der PIN AG an, sieht man, dass die hart am Limit gewirtschaftet haben, mit dem Fall des Briefmonopols nächstes Jahr hätte das eine Lukrative Sache werden können… aber nicht bei den Gehältern…

  2. 2 angel

    Leider bin ich mir nicht so sicher, dass die Umfallerin Angela Merkel das nicht doch noch kippt, gestern war sie ja schon wieder am zurück rudern.

    Diese Frau ist sowas von profillos, kaum übt irgendein Lobbyist Druck aus will sie wieder nachgeben.

  1. 1 Mindestlohn für Postzusteller/Briefträger ist gerechtfertigt
    Pingback am 24. Dez 2007 um 4:37

Einen Kommentar schreiben

For spam filtering purposes, please copy the number 5224 to the field below: