Microsoft Vista. Zu Bunt, zu teuer, völlig nutzlos

Microsoft VistaIch bin keiner dieser dogmatischen Microsoft-Kritiker, im Gegenteil. Seit Jahren kann ich mir das Genörgel der Anti-Microsoft-Gemeinde nicht mehr anhören. Wie kann man auch die Kritik von Menschen ernst nehmen, die Microsoft dafür kritisieren, dass es Geld für seine Programme verlangt? Oder dass es versucht, besser zu sein, als die Konkurrenz. Während man bei anderen Betriebssystemen erst studieren muss, um eine Soundkarte zu installieren, war Microsoft von jeher der Ansprechpartner für schnell laufende und verständliche Software. Microsoft Outlook ist mit großem Abstand das beste Groupware-Programm und der Windows-Explorer (nicht der Internet-Explorer) eines der besten Dateiverwaltungsprogramme der Welt. Auch der in Microsoft XP eingebaute Terminalserver sucht bezüglich Schnelligkeit und Kontrast seines Gleichen in der Linux-Gemeinde. Umso enttäuschter war ich, als ich mir das erste Mal das seit Jahren angekündigte neue Betriebssystem Vista ansehen konnte: Ich wurde erschlagen von bunten Bildern, einer völlig komplizierten Struktur, keinerlei interessanter Neuigkeiten und einem deftigen Abschlag in der Systemperformance. Ich konnte nicht einen Grund finden, das Programm zu kaufen.

Neugierig wurde ich durch die Ankündigung, MicrosoftVista brächte eine systemimmanente Festplattenverschlüsselung mit sich. Dies wäre eine Neuerung gewesen, die es durchaus interessant gemacht hätte, das Betriebsystem zu wechseln. Die Ankündigung offenbarte sich aber schnell als Rohrkrepierer: Zum einen ist das Verschlüsselungsprogramm “Bitlocker” erst in der teureren Version “Microsoft Vista Ultimate” (Preis: ca. 150 Euro) enthalten, zum anderen ist das Programm eben nicht in das Betriebsystem integriert, sondern lediglich als Zusatzprogramm enthalten. Dies bedeutet, das Betriebssystem muss auf einer separaten, unverschlüsselten Partition installiert werden und man kann anschließend die andere Partition verschlüsseln – also im Prinzip keinerlei Vorteil, dies war seit langem schon mit Windows XP und Truecrypt möglich. Eine Lösung auf einem Guss. also der vollständigen Verschlüsselung des gesamten Rechners sofort aus der Erstinstallation heraus, wurde also vertan.

Nach der ersten Enttäuschug widmete ich dann dem eigentlichen Betriebsysstem. Mein Ärgernis nahm in einer permanent eingeblendeten Leiste am rechten Rand, der sog. “Sidebar” seinen Lauf. Eine überdimensionale Uhr und ein völlig nutzloses Newsfenster konnten erst nach mehren Klicks beigebracht werden, mich in Ruhe zu lassen. Microsoft hat auch das Startmenü wieder mal umgestellt, so dass sich bestimmte Systemfunktionen wieder mal an anderer Stelle finden. Das neue Startmenü ist meines Erachtens ebenfalls misslungen: Es ist schon richtig, dass nach einer gewissen Zeit das Startmenü unter Windows XP unübersichtlich werden konnte. Es war ellenlang und klappte teilweise über 4 weitere Fenster nach rechts aus. Microsoft hat bei Windows Vista daher das Startmenü dem “Arbeitsplatz” angeglichen: Durch Klicken beispielsweise auf “Programme” kommt man eine Ebene tiefer und sieht nur noch den Inhalt von “Programme”. Dadurch ist nur noch ein Fenster zur Navigation im Startmenü erforderlich, man verliert aber meines Erachtens enorm an der Übersichtlichkeit.

Deutlich besser ist hier das neue “Suchfeld”. Diese von MacOS geklaute Funktion erlaubt es, nicht nur Programme durch Eingabe der ersten Buchstaben des Programmnamens finden und auch gleich starten zu lassen, sondern die indizierten Suchergebnisse greifen auch auf Email-Adressen und Nachrichten zu. Man kann also mit der Eingabe des Vornamens eines Bekannten gleich eine Email an diesen schreiben.

Microsoft Vista wartet mit zahlreichen “Sicherheits-Features” auf. Man hat meines Erachtens versucht, wieder einmal von der Linux-Gemeinde zu “klauen” und z. Bsp. bei der Veränderung von Systemeinstellungen das “Root-Password”, bzw. das Administratorkennwort abzufragen. Diese an sich sinnvolle Innovation wurde aber völlig übertrieben: Es kommt nicht nur ein Kennwortfeld, sondern es verändert sich gleich das ganze Anzeigefeld und es kommt auch noch ein Hinweis. Alles in allem dauert der Vorgang viel zu lang, so dass man nach kürzester Zeit die Funtkion genervt deaktiviert. Schlimm ist auch der Resourcenverbrauch: Mein Rechner (2,4 GHz Prozessor mit 1 GB Hauptspeicher) verliert gegenüber Windows XP deutlich an Schnelligkeit und ich kann nicht wirklich erkennen wofür. Außer vielleicht dass bei Vista alles blinkt als wäre man in einem Disney-Film.

Als ich aber den “neuen” Windows-Explorer sah, habe ich mein kurzzeitiges Experiment “Vista” endgültig abgebrochen. Auch dieser wurde einem neuen Design unterzogen und hierbei völlig verhunzt. Zeichnete sich der “alte” Explorer gerade durch seine filigranen haarfeinen Dateistrukturen im linken Fenster aus, die wenig Platz benötigten, aber optimale Übersicht gewährtleisteten, so wurde diese bewährte “Baumstruktur” durch ein “Klappmenü” ersetzt, das auch noch bei jedem Klick kurz laden muss. Es wird – gerade bei langen Menüs – viel Platz vergeudet und die Übersichtlichkeit ist deutlich eingeschränkt.

Microsoft Vista erinnert mich an Microsoft Millenium: Ein völlig nutzloses Betriebssystem ohne erkennbaren Mehrgewinn. Einfach nur “neu” reicht einfach nicht. Eine Überarbeitung von Windows XP, welches inzwischen wohl das 1000 Serviepack hinter sich haben sollte, wäre deutlich besser gewesen. Microsoft muss sich in Sachen Betriebsystem neu erfinden. In der Zwischenzeit empfehle ich Windows XP und nLite.

Share/Save/Bookmark

3 Kommentare zu “Microsoft Vista. Zu Bunt, zu teuer, völlig nutzlos”


  1. 1 Angel

    Also ich gebe Dir ja mit allem recht,
    aber den Windows Explorer so hochleben zu lassen:
    NÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖ

    Dieses Tool kann gut darstellen, okay.
    Aber das wars dann schon

    Wer jemals versucht hat, viele Daten zu migrieren,
    der weiß wovon ich rede.

    Es gibt bei Kopier / Verschieben Aktionen keinen vernünftigen Ablauf, sollte was schief gehen, bricht das
    Mist Ding sofort ab, informiert nicht, was geschehen ist
    und was nicht, es rollt nicht mal alles zurück (was dann immer noch besser wäre)

    Mal ganz abgesehen davon, dass man immer davor sitzen muss,
    da man (wenn man es über die GUI macht) jederzeit
    dämliche Nachfragen haben kann.

    Sicherlich kann man das alles umgehen indem man es ganz anders (=anderes Tool) macht, aber selbst in den Server Variationen von Windows ist der Explorer gleichbleibend schlecht…

  2. 2 jhein

    Stimmt, in diesem Punkt ist der Explorer von Vista besser. Da kann man bei Fehlern einfach “Ignorieren” oder so ähnlich anklicken und dann macht er trotzdem weiter. Das ist wirklich um Welten besser. Auf der anderen Seite, wenn man viele Daten kopiert, dann denkt er erstmal 5 Minuten nach und macht nix und dann kopiert er alles in 10 Sekunden, was den Statusbalken komplett nutzlos macht.

Einen Kommentar schreiben

For spam filtering purposes, please copy the number 9140 to the field below: