Jeder hat diese Spezies in seiner Schulklasse gehabt: Hässlich, schmierig und mit einer unverständlichen Arroganz gesegnet, die offensichtlich nur dazu diente, die eigene Psyche vor der Erkenntnis zu schützen, was für ein unangenehmer Mensch man doch geworden ist. Meist gruppierten sie sich mit anderen Versagern, um sich gegenseitig zu versichern, wie toll sie doch sind. Man bildete richtige Clubs, in welchen sie in ihre Scheinwelt flüchteten, in der sie beliebt und erfolgreich waren. Nach der Schulzeit wurden diese Typen komischerweise vor allem von der Jungen Union angezogen. Aus Mangel an Alternativen stiegen sie dort sogar in Führungspositionen auf. Ihre bekanntesten Vertreter sind Friedrich Merz und der hessische Ministerpräsident Roland Koch. Letzterer beweist gerade durch seinen “Jugendgewalt-Wahlkampf”, dass er ein Meister an Rückgratslosigkeit, Prinzipienlosigkeit und Ehrlosigkeit ist. Ein absoluter Unsympat eben.
Es ist ja bei weitem nichts besonders, dass ein Politiker, der um seine Wiederwahl fürchtet, jedes Thema recht ist, sich zu profilieren. So gesehen kann man Roland Koch überhaupt keinen Vorwurf machen. Wenn man ehrlich ist, machen seine politischen Gegner nichts anderes. Die SPD versucht das Thema Mindestlohn ebenfalls in nahezu jeden Wahlkampf einzubinden und bleibt die Antwort schuldig, warum sie dies nicht umgesetzt hat, als sie noch federführend in der Regierung war. Was jedoch Roland Koch auszeichnet, ist dass er am liebsten auf schwächere einschlägt, während die SPD sich wenigstens mit den vermeintlich Starken, den Wirtschaftsbossen, anlegt. Schon 1999 hetzte Roland Koch mit seiner Unterschriftenkampagne gegen Ausländer. Er initiiertein Hessen auch das striksteste Kopftuchverbot und auch heute hat er es in seinem Wahlkampfthesen zur Jugendkriminalität vor allem aus ausländische Jugendliche abgesehen. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder wies vor wenigen Tagen zu Recht daraufhin, dass Koch hingegen bei rechtsextremer Kriminalität beherzt schweigt und insbesondere verschweigt, dass er duch Stellenstreichungen bei der hessischen Polizei selbst Mitverantwortung für steigende Kriminalität trägt. Dass nahezu alle Experten auf dem Gebiet der Jugendkriminalität die Thesen Kochs für völlig kontraproduktiv halten, braucht hierbei gar nicht erwähnt zu werden, denn Koch geht es letztlich nur um schnelle Stimmungsmache, um seine Abwahl als Ministerpräsident zu verhindern.
Erstaunlich ist aber eigentlich vielmehr, dass ihm anscheinend wieder mal alle auf den Leim gehen. Anstatt in die Offensive zu gehen und durch noch überzogenere und noch krassere Forderungen die Lächerlichkeit von Roland Koch zu unterstreichen, reagieren die politischen Gegner mit Aufgeregtheit und verschaffen ihm dadurch genau das Klima, das er braucht, um wiedergewählt zu werden. Würde ich in Hessen gegen Koch kandidieren, würde ich sofort entweder nach der Todesstrafe, oder aber wenigstens nach der Internierung ausländische Straftäter verlangen. Einhergehend würde ich die weitere Streichung von Lehrer- und Polizistenstellen fordern. Ich würde öffentlich zu illegalen Parteispenden auffordern und brutalst mögliche nachträgliche Aufklärung versprechen.
Den nun kommenden Wahlsieg Roland Kochs darf man aber gar nicht so schwarz sehen. Zum einen verdient jedes Volk den Repräsentant, den es wählt. Zum anderen muss ich zugestehen, dass es eben Politiker wie Friedrich Merz und roland Koch sind, die meine Entpolitisierung verhindern. Habe auch ich mich in den letzten Jahren immer weniger für tagespolitische Themen interessiert, schaffen es diese geeks mich wieder daran zu erinnern, dass man niemals das Feld kampflos verlassen darf. Ich muss mich gleich mal nach einer politischen Betätigung umsehen….
Deutsche Leitkultur … wie kommen.
gut gebrüllt, löwe!