Angela Merkel wirft der designierten hessischen Ministerpräsidentin Andrea Ypsilanti vor, sie habe “Wortbruch “begangen, also gelogen. Sie habe vor der Wahl zugesichert, nicht mit den Linken zu paktieren und daran müsse sich Frau Ypsilanti auch dann halten, wenn alle anderen Konstellationen nicht machbar sind. Was für ein Unsinn. Dass der Wahlverlierer, die CDU, solche Sprüche klopft, ist nicht weiter verwunderlich. Komisch ist nur, dass alle renommierten Zeitungen in die gleiche Kerbe schlagen, nachdem sie noch vor wenigen Tagen und Wochen alle Parteien wegen ihrer “Unflexibilität” verdammten und sie aufforderten, das neue Machtgefüge zu akzeptieren. Andrea Ypsilanti macht dies und wird prompt zur “Unehrlichen”, zur “Lügnerin”. Die Bürger sind erwachsenen genung, Frau Ypsilanti zu glauben, dass sie sich eine andere Konstellation gewünscht, der Wähler aber anders entschieden hat. Das ist Demokratie. Continue reading ‘Hessen: Ist eine Dauer-Große-Koalition besser als ein “Wortbruch”?’
Archiv für Februar 2008
“Freundschaft unterscheidet sich von allen anderen menschlichen Beziehungen. Im Gegensatz zur bloßen Bekanntschaft basiert sie auf Liebe. Im Gegensatz zu Liebenden und verheirateten Paaren ist sie frei von Eifersucht. Anders als Kinder und Eltern kennt sie weder Kritik, noch Unmut. Freundschaft hat keine rechtliche Grundlage. Geschäftliche Partnerschaften basieren auf einem Vertrag. Das gleiche gilt für die Ehe. Eltern werden durch das Gesetz gebunden, genauso ihre Kinder. Freundschaft wird frei geschlossen, frei gegeben und frei ausgeübt.
Echte Freunde betrügen sich nicht, nutzen sich nicht aus und lügen sich nicht an. Freunde stellen sich nicht nach, haben aber auch keine Geheimnisse vor einander. Freunde sind stolz auf den Erfolg des Anderen, aber niedergeschlagen durch dessen Misserfolg. Freunde kümmern sich um einander. Freunde geben sich, sorgen sich umeinander, sind jederzeit bereit, zu helfen. Sie wird nur schwer erworben, aber in ihren guten Tagen erzeugt echte Freundschaft einen Rauschzustand der Ekstase.”
Stephen Ambrose, der dies im englischen Ortiginal schreibt, hat mit allem Recht – er vergas jedoch zu sagen, dass es dies alles nur unter Männern gibt.
Nachdem deutsche Steuerfahnder in Liechtenstein von einem Informanten Unterlagen gekauft haben, die angeblich zahlreiche vermögende Deutsche der Steuerhinterziehung überführen sollen, hat Finanzminister Peer Steinbrück die Betroffenen zur Selbstanzeige aufgefordert. Diesen wäre damit wahrscheinlich die Möglichkeit gegeben, straffrei auszugehen. Dies wäre aber nicht nur ein Verstoß gegen die Steuergerechtigkeit, sondern auch gegen die demokratische Hygiene in diesem Land. Diese öffentliche Vorwarnung von hochkriminellen Steuersündern gleicht dem Telefonanruf eines Staatsanwalts bei einem Drogendealer, er möge die Drogen bitte in der Toilette herunterspülen, denn man komme gleich zur Hausdurchsuchung vorbei. Gerade der SPD-Minister braucht sich nicht wundern, wenn Lafontaine und Co. immer mehr Wähler zulaufen: Die politische und finanzielle Elite Deutschlands scheint sich mal wieder gegenseitig aus der Patsche zu helfen. Die kleinen Steuersünder sitzen währenddessen ihre Haftstrafe ab. Continue reading ‘Steuerhinterziehung: Warum werden Reiche vom Staat gewarnt?’
Niemand erwartet im professionellen Fußballgeschäft noch Dankbarkeit, oder gar Anstand im Umgang mit anderen. Man hat sich bereits daran gewöhnt, dass Trainer für alles verantwortlich gemacht werden und Verträge, aber insbesondere mündliche Absprachen von niemandem respektiert und eingehalten werden. Otto Rehagel sagte in einem Interview, nachdem er mit seiner griechischen Nationalmannschaft Europmeister wurde, er wisse ganz genau, dass er heute der “Herkules von Athen” sei, die Griechen ihn aber über die nächste Klippe würfen, sobald er nicht mehr gewinne. So gesehen ist es nichts besonderes, dass die Nürnberger Vereinsführung Trainer Hans Meyer gestern vor die Tür setzten. Und dennoch: Was für ein undankbares, stilloses Pack. Hans Meyer hat den fränkischen Fußballverein nach Jahrzehnten der Erfolglosigkeit, der finanziellen Eskapaden, des stetigen Auf- und Abstiegs ins gelobte Land geführt: Er hat den vollkommenen Versagerverein, der sich (wiedermal) auf dem allerletzten Abstiegsplatz befand, nicht nur in den UEFA-Cup zurückgeführt, sondern das ganze noch mit dem DFB-Pokal gekrönt – der erste nennenswerte Sieg der Franken seit 39 Jahren! Der Club-Präsident Roth versprach öffentlich, Meyer entscheide alleine über sein Vertragsende – um ihn gestern überstürzt zu feuern. Man muss sich für soviel Rückgratlosigkeit schämen – leider mal wieder. Continue reading ‘Nürnbergs König Hans Meyer entthront – Franken bestätigen extrem miesen Stil’
Das amerikanische Vorwahlsystem zu kapieren, ist nicht ganz einfach. Da ist schon mal die Unterscheidung von “Caucus” und “Primaries”. Dann hat man gerade versucht, jemandem das amerikanische Mehrheitswahlrecht zu erklären, um anschließend festzustellen, dass in einer Reihe von Bundesstaaten die Delegierten doch nach dem Verhältniswahlrecht vergeben werden. War ich bisher auch immer der festen Auffassung, die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten sei nach Abschluss der Vorwahlen nur noch ein formeller Akt, bin ich wiederum eines besseren belehrt worden: Auf einmal tauchen lauter “Superdelegierte” auf, die im Gegensatz zu den formal gewählten Delegierten in ihrer Entscheidung nicht gebunden sind und daher in letzter Sekunde die Entscheidung im Falle einer Hängepartie bringen könnten. Im Lager von Barak Obama wird man daher zusehends nervös, tendieren doch die meisten dieser “freien Delegierten” zu Hillary Clinton. Continue reading ‘US-Vorwahlen: Die “Superdelegierten” könnten die Entscheidung bringen’
Als Joschka Fischer 1998 völlig überraschend Außenminister der Bundesrepublik Deutschland wurde, war man auf vieles gefasst. Viel Freude hatte uns bis dahin der bunte Vogel der deutschen Politik beschert. Nach 16 Jahren Helmut Kohl konnte man es gar nicht fassen, dass Deutschland bereit war, einen Charakter im Außenministerium zu akzeptieren, der nicht eine Standard Beamten-Kariere hinter sich hatte. Man hatte viele Erwartungen an den “Turnschuhminister”, der Kohl als “Buddha” und Ex-Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen als “Arschloch” bezeichnet hatte. Joschka versprach die Politik spannend zu machen. Rot-grün sollte nicht nur ein Politik-, es sollte auch ein deutscher Imagewechsel werden. Nach “Cool Britannia” sah man “cooler Deutschland” nun kommen. Aber selbst die Fan-Gemeinde von Rotgrün muss bekennen, dass sich die Erwartungen insoweit nicht erfüllten. Leider bestätigt das Buch von Joschka Fischer “Die rot-grünen Jahre. Deutsche Außenpolitik – vom Kosovo bis zum 11. September” diese Analyse. Joschka Fischer machte letztlich einen “guten Job”, revolutionäres hat er nicht geleistet. Wenn man ehrlich ist, das Buch hätte auch von Kinkel sein können. Continue reading ‘Joschka Fischers Memoiren: kein großer Wurf’
“Freundschaft unterscheidet sich von allen anderen menschlichen Beziehungen. Im Gegensatz zur bloßen Bekanntschaft basiert sie auf Liebe. Im Gegensatz zu Liebenden und verheirateten Paaren ist sie frei von Eifersucht. Anders als Kinder und Eltern kennt sie weder Kritik, noch Unmut. Freundschaft hat keine rechtliche Grundlage. Geschäftliche Partnerschaften basieren auf einem Vertrag. Das gleiche gilt für die Ehe. Eltern werden durch das Gesetz gebunden, genauso ihre Kinder. Freundschaft wird frei geschlossen, frei gegeben und frei ausgeübt.

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