Nürnbergs König Hans Meyer entthront – Franken bestätigen extrem miesen Stil

Hans MeyerNiemand erwartet im professionellen Fußballgeschäft noch Dankbarkeit, oder gar Anstand im Umgang mit anderen. Man hat sich bereits daran gewöhnt, dass Trainer für alles verantwortlich gemacht werden und Verträge, aber insbesondere mündliche Absprachen von niemandem respektiert und eingehalten werden. Otto Rehagel sagte in einem Interview, nachdem er mit seiner griechischen Nationalmannschaft Europmeister wurde, er wisse ganz genau, dass er heute der “Herkules von Athen” sei, die Griechen ihn aber über die nächste Klippe würfen, sobald er nicht mehr gewinne. So gesehen ist es nichts besonderes, dass die Nürnberger Vereinsführung Trainer Hans Meyer gestern vor die Tür setzten. Und dennoch: Was für ein undankbares, stilloses Pack. Hans Meyer hat den fränkischen Fußballverein nach Jahrzehnten der Erfolglosigkeit, der finanziellen Eskapaden, des stetigen Auf- und Abstiegs ins gelobte Land geführt: Er hat den vollkommenen Versagerverein, der sich (wiedermal) auf dem allerletzten Abstiegsplatz befand, nicht nur in den UEFA-Cup zurückgeführt, sondern das ganze noch mit dem DFB-Pokal gekrönt – der erste nennenswerte Sieg der Franken seit 39 Jahren! Der Club-Präsident Roth versprach öffentlich, Meyer entscheide alleine über sein Vertragsende – um ihn gestern überstürzt zu feuern. Man muss sich für soviel Rückgratlosigkeit schämen – leider mal wieder.

Wer Clubfan sein will, muss leiden können. Was hat dieser Verein seinen Fans nicht schon alles zugemutet. Man will gar nicht damit anfangen, wie sie 1968 Deutscher Meister wurden, um eine Saison später in einem Durchmarsch nach unten abzusteigen. Das war auch alles vor meiner Zeit. Aber auch in den 80er und 90er Jahren enttäusche der Club seine Fans mit finanziellen Eskapaden (Schatzmeister Böbel musste wegen Unterschlagung von Vereinsvermögen und Steuerhinterziehung sogar ins Gefängnis) und sportlichen Misserfolgen in Serie. Die Fans mussten mehrfach den Abstieg, sogar in die Regionalliga verkraften. In den Folgejahren mussten die Clubfans ständig zittern. Immer wieder stand der Abstieg vor Augen. In der Saison 2005/06 war es dann wieder so weit: Nach einer kurzen anfänglichen Stablisierung unter Trainer Wolf stand der Club auf Platz 18 der Bundesliga, als Hans Meyer die Geschäfte übernahm. Noch in der Vorrunde verließ Nürnberg die Abstiegsränge, am Ende der Saison war der Club mit Spielern wie Vittek, Mintal, Saenko, aber auch Kießling spielerisch und finanziell bestens aufgestellt. Zwar verließ Publikumsliebling Kießling den Verein, die übrigen hielten aber dem CLub die Stange. In der Folgesaison geschah für die Franken dann das Wunder: Der Club setzte sich nicht nur 3 mal gegen den späteren Meister VfB Stuttgart durch, erreichten Platz 6 der Bundesliga und die internationale Qualifikation für den UEFA-Cup, sondern schafften mit dem 3. Sieg über Stuttgart auch den DFP-Pokalsieg. Für Nicht-Franken mag das alles nicht so phantastisch wirken, aber die Franken waren fast 40 Jahre ausgedurstet. Man wusste Jahrzehnte nicht, ob man weinen, oder lachen sollte, dieser Verein trieb alle in den Wahnsinn. Der DFB-Pokalsieg hatte die Clubfans für alles entschädigt – und sie dankten es vor allem ihm – Hans Meyer.

Hans Meyer war aber nicht nur ein genialer Trainer, er war auch intelligent und witizg. Der Club hatte mit ihm ein Aushängeschild gewonnen, welches den Franken ein hochsympatisches Gesicht verlieh. Die Franken wirkten auf einmal wieder stolz, der Club und sein Trainer wurden überall und von jedem respektiert. Langsam aber sicher begannen alle zu glauben, der Aufstieg des Clubs könne in der Tat von langer Dauer sein. Meyer, der in Nürnberg nach dem Pokalsieg wie ein König empfangen wurde, galt als untastbar. Der Präsident Roth erklärte mehrfach, Meyer alleine entscheide, wie lange er für den Club arbeite, Kündigung ausgeschlossen.

Gestern war der Traum dann zu Ende. Nach einer zugegeben enttäuschenden Hinrunde (auch der Verletzung vielerSpieler geschuldet) vergaß man in Franken alle vergangenen Versprechen. Wurde noch Sonntagabend Meyer der Rücken gestärkt, folgte am Montag Abend die kurzfristige Erklärung, “man habe sich von Trainer Meyer” getrennt. Ein paar schnelle Worte des Bedauerns und der König von Nürnberg war Geschichte. Als Nürnberer wünscht man sich natürlich auch für Zukunft viele Erfolge – verdient hätte die Vereinsführung es nicht.

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3 Kommentare zu “Nürnbergs König Hans Meyer entthront – Franken bestätigen extrem miesen Stil”


  1. 1 DocMagoo

    obwohl ich hans meyer für seine verdienste unendlich dankbar sein werde war für mich sein ende beim club überfällig. das sage ich ohne groll, sondern sehe

    hans meyer ist unbestritten (nach felix magath, aber das ist meine persönliche meinung) der beste trainer, der in den letzten 10 jahren beim club gearbeitet hat. allerdings: sein verhalten gegenüber der mannschaft und das auftreten in der öffentlichkeit mit dieser überironischen art ist nur begrenzt wirksam. damit nimmt er sich nach einer bestimmten zeit jede art von glaubwürdigkeit, vor allem der mannschaft gegenüber. man sollte meinen, dass hans meyer in einem alter ist, wo er auch mal über den dingen stehen kann. vor allem vor dem hintergrund seiner unbestrittenen erfolge.

    dass das “system hans meyer” nicht auf dauer funktionieren kann hat man bei borussia m’gladbach erlebt.

    mich hat also die demission von hans meyer nicht wirklich überrascht.
    wohl aber der zeitpunkt.

    man konnte bereits in der hinrunde erkennen, das hans meyer sich immer mehr von der mannschaft entfernt. kritiker werden von ihm mundtot gemacht (transfer von gresko und polak, öffentliche demütigungen saenko, wolf). die mannschaft hat ohne frage ein enormes potential, welches man in der letzte saison bereits erahnen konnte. natürlich hat die mannschaft enormes verletzungspech zu beklagen, was aber nich alleine der grund für so einen absturz sein kann.

    ein besserer zeitpunkt wäre wohl die winterpause selbst gewesen, hier hat man sich aber vergebens an die hoffnung “neue spieler” und die zugegebenermaßen hervorragenden testspielergbnisse geklammert.

    spätestens nach dem spiel in karlsruhe musste aber allen verantwortlichen klar sein, dass nichts mehr geht. dass man dann noch das rostock-spiel abwartet, war und ist für mich unverständlich.

    danach dachte ich, dass hans meyer zumindest bis zum cottbus-spiel noch bleiben darf.

    über den stil dieser beurlaubung muss man wirklich keine worte mehr verlieren. stillos, niveaulos – eben club.

    wie ich zu anfangs schon sagte, hans meyers verdienste für den club sind grandios und werden ewig im gedächtnis der fans bleiben. gerade deshalb hätte er einen “netteren” abgang verdient.

  1. 1 Glubb-Blog
    Trackback am 13. Feb 2008 um 1:23
  2. 2 Glubb-Blog » Blog Archiv » Danke Hans Meyer! Viel Erfolg Thomas von Heesen!
    Pingback am 26. Feb 2009 um 10:41

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