Der Messias kam diese Woche nach Deutschland und er sprach zu seinem Volk. Nicht nur hunderte private Nachrichtensender, auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen begann bereits Stunden vorher mit der Live-Übertragung und mit Sonderberichterstattungen. Die Online-Zeitungen und -magazine berichteten in einem “Live-Ticker” über jede Handbewegung, die Barack Obama auf seiner Kurzvisite durch die deutsche Hauptstadt machte. Mit Faszination wurde zum Beispiel berichtet, Obama wäre in eine Fitnessstudio gegangen – mal ehrlich: wen interessiert das? Am Ende dann die “große Rede” vor der Siegessäule in Berlin. Es wurden Erwartungen an diese “historische Rede” geweckt, Obama werde sich mit Kennedy, Reagan, oder Clinton messen. Wenn er diesem Anspruch gerecht werden wollte, dann hat er es deutlich nicht geschafft. Die Rede war nett, aber nicht mal im Ansatz eine bedeutende. Das wird Obama aber auch egal sein, ein herrlich inszenierter Wahlkampferfolg war es.Ich bekenne mich: Ich bin ein Hillary-Fan. Ich halte ihre Niederlage gegen den smarten Dandy aus Chicago immer noch für einen Sieg des Scheins. Er wurde durch dumme Schauspielerinnen wie Scarlett Johannsen und Fernsehmoderatorinnen wie Oprah aufgebauscht – und durch die Inszenierung einer Bewegung, die mehr an eine Sekte, denn an einen politische Führungsfigur erinnert. Er soll im US-Senat nicht durch Anwesenheit geglänzt haben und seine Rede blieben bisher immer im Nebulösen. Er liebt es ganz offensichtlich, bedeutungsschwanger die Verfassung und Grundrechte wie Freiheit und Gleichheit zu zitieren, scheute sich aber vor den dreckigen Themen: Den Rassenkonflikten, Steuererhöhungen, Todesstrafe. Erst als sein Pastor Jeremiah Wright ihn durch Hetztiraden gegen das “weiße Amerika” zwang, versuchte Obama Stellung zu beziehen, jedoch sichtlich bemüht das Thema “Hautfarbe” möglichst schnell einzudämmen. Obama will Polarisierung vermeiden, er möchte der Nette sein, der es jedem recht macht. Mit seinem aktuellen Bekenntnis zur Todesstrafe für Kinderschänder hat Obama auch gezeigt, dass er bereit ist, alles der Mehrheitsmeinung zu opfern, ihm also jedes Mittel Recht ist, die Mehrheit der Wähler zu überzeugen. Dies ist umso bedeutender, als der US Supreme Court, also das höchste Gericht der Vereinigten Staaten, just die Todesstrafe für Kinderschänder als verfassungswidrig bezeichnet hat; dies kam von einem Gericht, das nach der Ära Bush eindeutig konservativ besetzt ist und von Obama rechts überholt wurde.
Obama ist ein Klassenprimus, er hat nicht ohne Grund in Harvard studiert. Auch auf seinem Deutschlandtripp bewies er, dass er sich die eilig verschafften Fakten über deutsche und europäische Geschichte schnell eintrichtern kann. Ich musste beherzt lachen, als er den ersten Teil seiner Rede vor der Siegessäule dazu nutze, den Deutschen zu erklären, wie das im Kalten Krieg so in Berlin war. Seine Redeschreiber haben es aber in der TAt geschafft Berlin, die Siegessäule, die Luftbrücke, den Kommunismus, Afghanistan und Umweltschutz in eine 28minütige Rede zu packen, wozu man ihnen wirklich gratulieren muss.
An einem einzigen Punkt hat er mich aber dann doch kurz überzeugt. Als er das Risiko einging, die Deutschen zu mehr Engagement in Afghanistan aufzufordern. Angesichts der bekannten deutschen Haltung, wonach andere die Drecksarbeit machen sollen, war dies nicht ohne Risiko, die Stimmung hätte kippen können – Aber dann ist mir wieder eingefallen, dass er genau diese Aufforderung zur Bündnistreuer machen musste, um im heimischen Fernsehen zu überzeugen.
Obama ist ein Jurist, das heißt er kann gut reden und sonst nichts. Ich bin überzeugt, er wird kein guter Präsident sein. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren…
Also ich war ja auch mal für die Hillary
Aber muss sagen, dass Hillary Clinton sich am Schluß so viel geleistet hat, dass sie sich selbst auf den Status “völlig indiskutabel” degradiert hat.
Peinlich ist da noch das harmloseste, was man dazu sagen kann,
das würde ja in einem bayerischen Stadtrat schon nicht gehen, geschweige denn beim “run for the oval office”
Insofern muss ich zugeben, bin ich echt froh dass es immerhin Barack Obama ist, und ich glaube auch, dass er den Job ganz gut mnachen wird
(na gut, schlechter als George W. geht ja auch nicht mehr)
und da jeder Demokrat besser ist als der nächste Republikaner…
so fucking what?
;o)